15. März 2009
Multizonen-Sitzheizung bei Daimler: mein erstes Prototyp-Display
Für einen Daimler-Prototyp einer Multizonen-Sitzheizung fehlte ein Bedien-Display: Der Kunde wollte am Fahrersitz einzelne Zonen per Touchscreen auswählen und deren Temperatur einstellen.
Eine prototypische Displaysteuerung mit Touch-Bedienung bauen, die die Nutzereingaben (Zonenauswahl, Temperatur) via SPI an das canAIDER-Prototypensteuergerät weitergibt.
Einfaches, bitmap-basiertes Prototyp-Display: Antippen einer Sitzzone lädt die passende Grafik und erlaubt die Temperaturwahl; Kommunikation per SPI an das canAIDER. Mein erster Prototyp — ein Brückenprojekt während der Wirtschaftskrise.
Nicht jedes Projekt ist ein Meilenstein — manche sind einfach eine schöne Brücke. Dieses hier verdanke ich einer Weltwirtschaftslage.
Wie es dazu kam
Meine Architekturarbeit am virtuellen EEPROM endete abrupt: Die Finanzkrise ab 2007 schlug voll durch. Als externer Dienstleister wurde ich mitten an einem Kundentag vor Ort — zusammen mit anderen Dienstleistern — nach Hause geschickt: Die gebuchten Stunden waren von heute auf morgen eingefroren. Ein mulmiges Gefühl.
Zum Glück arbeitete mein Dienstleistungsunternehmen mit vielen Kunden. Wenige Tage später hatte ich Gelegenheit, in einem anderen Projekt mitzuwirken — und es machte richtig Spaß.
Die Aufgabe: eine Multizonen-Sitzheizung erlebbar machen
Daimler hatte Gigatronik einen Prototypen-Auftrag erteilt: Für den Fahrersitz sollte eine Sitzheizung mit mehreren Zonen erprobt und aufgebaut werden — nicht eine Fläche, die pauschal warm wird, sondern einzelne Bereiche, getrennt einstellbar.
Die Arbeit war klar verteilt:
- Kollegen aus der Elektronik kümmerten sich um das Physikalische (die Heizung selbst).
- Kollegen aus der Komponentenentwicklung setzten ein Prototypen-Steuergerät auf Basis des canAIDER auf — jenem Universal-Steuergerät, das ich aus meiner Diplomarbeit kannte.
- Was fehlte, war ein Display: Der Auftraggeber wollte einen Sitz auf einem Bildschirm sehen, darauf einzelne Sitzflächen per Touchscreen auswählen und dann die Temperatur einstellen.
Und weil ich Jahre zuvor im Praxissemester bei Leuze schon einen OLED-Display-Treiber entwickelt hatte, fiel dieser Part mir zu.
Mein Teil: das Touch-Display
Ich baute eine einfache, bitmap-basierte Displaysteuerung. Das Prinzip war bewusst schlicht: Für jede Sitzzone gab es eine Bitmap-Grafik. Tippte man eine Fläche an, wurde die passende Grafik geladen und man konnte die Temperatur wählen. Die Auswahl schickte das Display dann über SPI an das canAIDER-Steuergerät — die SPI-Schnittstelle stand bereits von den Kollegen aus der Komponentenentwicklung, ich lieferte die Display- und Touch-Logik darüber.
Was mir davon geblieben ist
Es war eine Überbrückungsaufgabe — aber die erste, bei der ich an einem Prototyp mitwirken durfte, und das hat mir richtig Freude gemacht. Ich lernte, wie man aus einfachen Mitteln (Bitmaps, ein Touch, eine SPI-Leitung) schnell etwas Erlebbares baut, das ein Kunde in die Hand nehmen kann.
Danach ging es für mich — ich glaube im Herbst 2009 — in die Serienentwicklung des PTC-Zuheizers. Und meine Diagnose-Testautomation beim TRW-Gurtstraffer lief die ganze Zeit nebenher weiter — die habe ich auch in dieser Brückenzeit Stück für Stück verbessert.
Ehrlich: An viele Details erinnere ich mich nach über fünfzehn Jahren nicht mehr. Aber die Geschichte gehört dazu — ein kleines Projekt, das aus einer Krise entstand und einfach Spaß gemacht hat.