1. Mai 2011
IoT, bevor es so hieß: ein Funk-Mesh für Heizkostenverteiler
Die Verbrauchsdaten hunderter Heizkostenverteiler in einem Mehrfamilienhaus sollen automatisch eingesammelt werden — batteriebetrieben über viele Jahre und ohne dass jemand die Wohnungen betreten muss.
Die bestehende Embedded-Software des Multihop-Funknetzes verstehen und weiterentwickeln, u. a. um eine erste Fehlererfassung.
Reverse-Engineering der bestehenden Codebasis; das erste Fehlerspeicher-Modul für die Geräte entwickelt; tiefer Einblick in Low-Power-Mesh-Netzwerke mit Jahrzehnt-Batterielaufzeit.
Diese Station war kurz — aber sie hat mir eine ganz andere Ecke der Embedded-Welt gezeigt. Nach Jahren in der Automobilentwicklung, wo alles in Millisekunden gedacht wird, landete ich plötzlich in einer Welt, die in Tagen und Jahrzehnten rechnet.
Worum es ging: Wärme fair abrechnen
In Deutschland muss der Wärmeverbrauch jedes Heizkörpers verbrauchsabhängig erfasst werden — dafür sitzt an jedem Heizkörper ein Heizkostenverteiler (HKV). Früher klingelte einmal im Jahr jemand an der Wohnungstür, um abzulesen. Der moderne Weg: Funk. Und genau darum ging es hier — ein Funknetz, das die Daten aller Verteiler eines Gebäudes einsammelt, ohne dass jemand die Wohnung betreten muss.
Das Netz: viele kleine Sprünge
Die Lösung war ein Multihop-Funk-Mesh: Die Verteiler funken ihre Daten über kurze Strecken weiter, Master-Nodes im Flur sammeln sie, ein Datensammler bündelt sie fürs ganze Gebäude und schickt sie per Mobilfunk zur Zentrale.
Der Kulturschock: Millisekunden vs. Jahrzehnte
Das Faszinierende war die völlig andere Denkweise. In der Automobilwelt ist alles harte Echtzeit — Regelschleifen im Millisekundentakt. Hier war das Gegenteil das Ziel: so wenig wie möglich tun, damit eine Batterie zehn Jahre hält.
Es war spannend zu sehen, wie breit „Embedded” wirklich ist — von der sicherheitskritischen Millisekunde bis zur Anwendung, die ein Jahrzehnt mit einer Knopfzelle auskommen muss. Das ist gelebtes Internet der Dinge, lange bevor der Begriff in aller Munde war.
Mein Beitrag
In der kurzen Zeit habe ich mich per Reverse-Engineering in die bestehende Embedded-Codebasis eingearbeitet und das erste Fehlerspeicher-Modul für die Geräte entwickelt — eine kleine, aber wichtige Grundlage, um im Feld überhaupt nachvollziehen zu können, wenn etwas nicht rund läuft. Das Thema Diagnose und Fehlerspeicher zog sich damit als roter Faden durch meine Automotive-Zeit bis hierher.
Wie es weiterging
Es blieb eine kurze Station. Über einen früheren Kommilitonen ergab sich bald die Gelegenheit, in die Fahrerassistenz-Entwicklung bei Elektrobit zu wechseln — zurück in die Automobilwelt, die besser zu meinem Profil und meinen Zielen passte. Mitgenommen habe ich einen bleibenden Respekt für Low-Power-Design: Manchmal ist die größte Ingenieurskunst, möglichst wenig zu tun.